… oder Masons Traum der ‚Friedlichen Koexistenz’. Wenn man hin und wieder mal Politiker/Innen antrifft, nein, nein, nicht die ganz Großen, eher die in der Mittelklasse, kriegt man so das Gefühl, dass sie ihre ganz persönliche Meinung gar nicht mehr für andere verständlich definieren können, wollen oder dürfen. Jedes, angeblich noch so private Gespräch, wird zur penetranten Wahlkampfübung. Sie wirken im Gespräch synthetisch, konturlos und entsetzliche Langeweile kommt auf und du möchtest aus dieser Situation einfach nur aussteigen, raus gehen…
Die Welt des Theoretikers ist sein Gefängnis. Es gab und gibt nur ganz wenige Theoretiker und Philosophen mit praktischer Erfahrung, wie z.B. weiter unten erwähnt.
Das Problem mit den Intellektuellen ist zumeist jenes, dass sie ihr mühsam sich angeeignetes Wissen nicht in praktische Anwendung bringen können. Ich selbst halte mich durchaus für „interdisziplinär belesen“, aber seit meiner Kindheit war mir wichtig, mein eingeholtes Wissen aus zweiter Hand wie selbst „Gesponnenes“ auf Herz und Nieren zu prüfen, in eine real anwendbare Relevanz zu bringen, oder auch selbst in der Wirklichkeit zu erproben. Wenn das geistige Konstrukt nicht praktisch anwendbar ist, interessiert es mich nicht weiter!
„Hi and bye Mason!“ - Meine Aufarbeitung seines sehr fragwürdigen Werkes „Postkapitalismus“:
Paul Mason, an und für sich ein sympathischer Typ, unterstelle ich, solch ein fixer Theoretiker zu sein. Habe seine ermüdenden Kapitel über wirtschaftliche Konjunkturzyklen hinter mir gelassen, doch die Behauptung, ihn als würdevollen Nachfolger Marx zu sehen, ist entweder kühn oder dumm. Immer wieder verstrickt er sich und den Leser in seine Recherchen und Vermengungen fremder Theorien und Manifeste als dann eigene welche. Dabei koppelt er beharrlich „seinen Kapitalismus“, halt seine Version davon, vom Menschen – das wehrlos manipulierbare Opfer - ab. Er beschreibt ihn äußerst und zeitlos anpassungsfähig (das hatten wir schon mal besprochen…, tut Leid) und man bekommt beim Lesen in der ersten Buchhälfte das Gefühl, dass er ihn dafür insgeheim bewundert.
Also, zu früh gefreut, liebe Sozialisten, Sozialästheten, ihr bornierten Sozialromantiker, Volksdemokraten und hoch geachtete Philanthropen! Aber aufgepasst, Mason möchte uns freundlich seine Lösung der derzeitigen Krise darbringen. Aha. Ich war gespannt – und enttäuscht. Das kenne ich doch alles schon von irgendwo her. Solche Ideen gab es zuhauf schon lange vor ihm! Diese „Plagiatisten“…
Doch was Mason so scheint es bei all seinen Analysen vergisst oder bewusst ausspart, ist der unerlässliche Zerstörungsfaktor im „Kapitalismus“, richtig, in der neoliberalen Wirtschaftsdiktatur. Der pervertierte Traum vom ewigen Wachstum ist bereits dem „Dümmsten zu dumm“. Und trotzdem reden „Wirtschaftsfuzzis“ noch immer davon in sämtlichen Kommerzmedien. Deshalb nämlich, um „zu überleben“, braucht der „Kapitalismus“ seine Rezessionen, wie eben seine Kriege. Der immer ressourcenabhängige Markt, so wie unser Planet, ist nicht zum ewigen Wachstum geschaffen, gerade im Gegenteil, es wird alles laufend weniger, nützt sich ab, verschleißt, wurde von uns bereits unwiederbringlich ausgeplündert. Auch wenn wir Menschen uns weiter vermehren, heißt im Endeffekt, dass das kollektive Ziel nur „richtiges Haushalten“ sein kann, unter dem Aspekt einer dynamischen, prozessorientierten Volkswirtschaft.
In Wahrheit aber schreibt er nix Bahnbrechendes, somit „Von Mason nix Neues“. Nach der Hälfte und danach überflogenen Kapiteln, mich etwas mehr dem letzten dann doch noch widmend („Projekt Null“, dazu ausführlich im Unterkapitel „Bilanz“), habe ich das Buch weggelegt und den teuren Kauf bitter bereut, der ja auch bezeichnenderweise unfreiwillig geschah, nämlich in Folge meines Stöberns aus dem Regal fiel und bisserl „angedepscht“ war.
Da gebe ich ihm Recht! Insofern, dass nicht das Kapital per se das Problem darstellt, sondern welche Interessengruppe es verwaltet und steuert. Das ist nicht nur mir schon seit etlichen Jahren klar! Auch da stimme ich ihm bei, wenn er von der Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens spricht, schon alleine dadurch, dass wir entwicklungstechnologisch bedingt uns immer mehr einer automatisiert funktionierenden Produktionswirtschaft nähern und uns vermutlich noch lange Zeit folgende Beschäftigungen bleiben, sprich: die vielschichtigen Dienstleistungen, die gesamte Verwaltung dessen und als Hauptaufgabe die kooperative Koordination der regionalen Volkswirtschaften und, klar, die Forschung.
Auch an manch anderen Textzeilen finde ich durchaus Gefallen, wie sinngemäß den Privat-Kapitalismus umzubauen in eine vergesellschaftlichte Form, also in eine Art Staats-Kapitalismus, die Verstaatlichung der Energieversorgung, des Gesundheitswesens, des Transport- und Kommunikationswesens und all das gratis für alle, zumindest zum Selbstkostenpreis (da wäre interessant, wie und wer diesen seiner Meinung nach festlegt…). Wie gesagt, Altes neu formuliert. Nur frage ich mich schon, warum er nicht einfach sein Buch „Präsozialismus“ titelt, oder „Vorhof zur Völkerdemokratie“? Als wäre das Wort Sozialismus bzw. Volksdemokratie im herrschenden, wirtschaftsliberalen System eine Gotteslästerung! Angemerkt sei, eine für viele ersehnte Völkerdemokratie kann aber nur dann wirksam sein, wenn all die Volksmassen politisiert und demokratisiert wurden und das setzt das gleiche Bildungswesen für ausnahmslos alle voraus! Da wollen ja unsere Sozialdemokraten hin, leider nur sehr halbherzig und viel zu kompromissbereit.
Mason kritisiert, dass viele der von ihm zitierten Hypothesen und Gesellschaftskonzepte unvollständig, also in einer Form unreif, nicht zu Ende gedacht wurden. Gott sei Dank gibt’s ja ihn jetzt! Er selbst kann den aufmerksamen und politisch interessierten Leser nicht täuschen. Selbst er kommt meiner Einschätzung nach ziemlich unvollständig in seinem dicken Buch daher. Ich erlaube mir, ihn zu raten, hinaus zu gehen und mal lange und tief hineinschauen, in die Welt… die Welt auf sich wirken lassen. Aber vielleicht tue ich ihm Unrecht, ein Buch ist eben nur ein Buch und kein Gespräch, das Fragen zulässt. Doch weiter zum Buch:
Bilanz der Postkapitalismus-These:
Komme gleich zum Ende des Buches Masons, worin er von der Rettung der ach so leidenden, bereits seelisch kranken 1 Prozent Reichen schreibt, denen im Zuge der kommenden Krisenbewältigung, so verspricht er ihnen wortwörtlich, die 99 Prozent (?) - Klammer auf: davon mehrheitlich Verarmte, Klammer zu – vom Herzen gern zu Hilfe eilen werden. Die westliche Bourgeoisie, das Patriziertum, der bürgerliche Mittelstand hat die Sozialmoral erfasst und sie folgen ihrer Ideologie der Wohltätigkeit und wollen spendenfreudig wie noch nie sein und auch nicht mehr so öffentlich mit dem Reichtum protzen; ab nun sind die Villen und Appartementhäuser nur mehr innen sinnlos prunkvoll. Machen wir halt schnell die Fassaden schäbig. Das erinnert mich an ein altes Wecker-Lied worin besungen wird, wie „die Schickeria ihren Porsche gegen einen 2CV eintauschte“. Sie verbergen ja eh schon aus Rücksicht ihre Macht hinter gelebter Zurückhaltung, so Mason. Kann man da noch anderes erwarten, dass er im selben Atemzug uns von der Gefahr einer Putin-Politik beschwichtigen will? Na klar, da wird man von der westlichen Presse hochgejubelt!
„Pffff“ In welcher Anstalt bin ich da gelandet? Da kriegst du erst die Krise… dieses Papierwerk ist mangels Perforierung nicht mal als… Für mich spielt Mason in der selbigen philosophischen Liga – im Club der Meinungslosen und Verwirrten - eines Michael Fleischhackers, zuletzt gehört und gesehen bei Stöckl (ORF2) neben Wolfgang Lutz, gegenüber Jean Ziegler und Barbara Blaha. Der Fleischhacker betont und beteuert, dass er eben nicht so deutlich erkennen kann, was Recht und Unrecht in dieser Welt ist… was ist mit ihm passiert? Welche fantastischen Märchen reiten diese Typen?
Mason, ein postkapitaler Liberaler? Seine Zuneigung zu Keynes Gesellschaftsmodell lässt er ohnehin unverhohlen durchklingen, das Paradoxon (Perversion) einer sozialen Marktwirtschaft, in der das Soziale auf freiwilliger Basis und erhofftem, moralischem Bewusstsein sich durchsetzt. Davon träumen heute noch viele Sozialdemokraten. Das edle Königsmärchen der „Drei Ringe“ von Wiechert ist eben nur ein Märchen. Man merkt sofort, wie gut das „Freiwillige“ funktioniert. Die Machtgier schert sich einen Dreck um solche Geisteskonstrukte und hört nicht von alleine auf und wir hängen da alle dran an den Fäden, spüren sie täglich und haben nicht der Anfängen gewehrt!
Apropos Paradoxon: Ähnliches erwog Nikita Chruschtschow mit seiner These des friedlichen Wettbewerbs als vorläufige Koexistenz der beiden Gesellschaftssysteme, Kapitalismus neben Kommunismus, man winkt sich aus Ost und West sportlich zu. Das wäre so, als würde man einen Boxer gegen einen Golfer, einen Schwimmer gegen einen Hürdenläufer antreten lassen. Also ein Konflikt ohne Krieg, was nicht stimmt, denn zu jener Zeit des „Kalten Krieges“ wurde beidseitig gewaltig hochgerüstet. Der Westblock war und ist noch immer, wie man sieht, permanent kriegsbereit. Auch der meinerseits hoch respektierte Mahatma Gandhi hat mit seinen friedlichen Widerstand gegen die materielle und gewaltsame Macht (sehr wohl die westliche!) am Ende verloren.
Mason, ein „würdiger Nachfolger von Marx“??? So was kann nur von The Guardian geschmiert werden. Kann es sein, dass Mason wohl oder übel zu lange für den BBC gearbeitet hat und wir ahnen zu Recht, welche Interessenten hinter dem privaten und doch staatsnahen Unternehmensgiganten British Broadcasting Corporation steht, der sich die offizielle Kritik (Wiki!) einer undemokratischen, unausgewogenen Berichterstattung gefallen lassen muss!
Man schlägt das Buch auf, es liest sich am Anfang mal durchaus interessant, doch bald schon verfängt man sich ewig lang in Analysen von Konjunkturzyklen. Da sprang ich gleich zum Endkapitel, seine angekündigte Lösung, die keine ist, sondern Trost. Da möchte man diesen Dreck ins Eck schleudern, der viele riesige, schöne Tropenbäume unnütz in die schwimmenden Papierfabriken verfrachtete. Es ist eben typisch im „Kapitalismus“, wichtig ist, das der Verkaufstrick wirkt, und das hat er, wenn auch bei mir unfrewillig! „Es tut mir inständig Leid, dieses Buch mal empfohlen zu haben und entschuldige mich dafür!“
Der Kapitalismus und sein Kostümladen
Der „Kapitalismus“ ist vieler und meiner Überzeugung nach nicht assimilierfähig (Mason!) sondern seine Protagonisten bedienen sich reicher Tricks und sind dahingehend erschreckend kreativ, kaltschnäuzig und kaltblütig. Von sich abzulenken, zaubert man aus der Trickkiste verschwörerisch lächelnd Feindbilder hervor und man ist schamlos bereit, über Leichen zu gehen. Das funktioniert schon lange so. Sie „pumpen sich“ (stehlen) bis heute massenweise Leistung aus der Weltkommune. Auf der materiellen Ebene, was letztlich immer erwirtschaftetes Volksvermögen ist und auf immaterieller Ebene, geistige wie körperliche Arbeitsleistung. Im besten Wissen, dass sie es der Kommune nie werden zurückgeben können. Es ist Betrug, den wir scheint’s kultiviert haben; so noch immer bei manchen Neid aufkommt und viele gern und naiv von einem System der Freiheiten reden. Doch zu einem brillanten Denker, der hoffen lässt und der immer wieder sinngemäß sagte:
Wenn die These nur mehr der These dient, ist sie wertlos! Ich drücke damit den Geist eines meiner „Lieblinge“ aus, den von John Mohawk, Historiker und Philosoph mit dahingehender Doktorwürde Honoris Causa, Praktiker, Fachmann für altes indianisches Saatgut, Aktivist und Publizist, Lehrer und Mentor. Am 30. August würde er seinen 71. Geburtstag feiern, verstarb jedoch relativ jung 2006. Ich oute mich nach Langem ganz offiziell zum Mohawkisten wie Hopiisten (eine andere Geschichte). Ich kann ihn so gut verstehen, Tun und Schreiben war seine, wie meine Leidenschaft. Bioneer-Vorträge von ihm über Überleben und Gedeihen, über Gier und Frieden. Youtube Videos (Links) am Ende
Es ist evolutionärer Stillstand, wenn, um Mohawks Aussage in Folge wörtlich wiederzugeben und weiterzuspinnen, der Mechaniker nur mehr der Mechanik dient, der Rhetoriker nur mehr seiner Redekunst, der Akademiker der Akademie, der Experte nur mehr seiner Expertise, der Banker nur mehr seiner Bank und seinem Konto, der Lehrer nur mehr dem Lehrplan, der Politiker nur mehr seiner Partei, der Liebhaber nur mehr dem Sex. Ein wesentliches Erscheinungsbild in unserer Evolution ist die Arbeitsteilung und sie bedingt Kooperation, ausgeprägtes Sozialverhalten, aber niemals eine konkurrierende Arbeitstrennung. Der technische Fortschritt ist ohne sozialpolitischen Fortschritt nicht sinnvoll! Denn nützt es mir oder irgendwem, wenn ich mich mit meinem Renner allein auf die leere Pferderennbahn begebe?
