Wenn Pastoren (Pfarrer) meinen Politik machen zu müssen, indem sie eine unsägliche Hetze gegen Putin und Russland in einem Pfarrbrief veröffentlichen ist das eine Sache. Das implizieren, Putin (Russland) sei an allem Schuld und den „Russlanddeutschen“ und anderen ein schlechtes Gewissen einzureden, eine andere. Geschehen anno Domini Ostern 2016. Nach dem lesen dieses Briefes bleibt nur zu sagen: “Pastor bleib bei deinem Gebetsbuch“.
Liebe »Rußlanddeutsche« oder »Spätaussiedler«, ich leite hiermit den Brief meines Kollegen Pfarrer G. Gauß aus Aulendorf an Sie weiter, weil er mir aus der Seele spricht und ich Ihnen das genauso weiterleiten möchte: .Auch in unserer Gemeinde findet der Diktator Putin, der den Massenmörder Assad unterstützt, leider mit seiner Lügenpropaganda Gehör. Ich verstehe nicht, wie Ihr, die Ihr aus diesem System doch geflohen seid, nun hier in der Demokratie lebt, aber ausgerechnet diesem verschlagenden Politiker Putin Glauben schenken könnt.
Der rechtsnationale Geist, den er teilweise unter Euch tatkräftig schürt, hat schon einmal ein Unglück über Europa und unser Volk gebracht, dessen Folgen auch Ihr mit dem Verlust der Heimat und der Verschleppung unter Stalin ausbaden musstet. Wie könnt Ihr Putin, der ein Nachfolger Stalins ist, glauben und ihn bewundern? Ich versteh das nicht. Man muss Flüchtlinge nicht mögen. Aber man muss sie auch nicht hassen. Ihr habt doch selbst diese leidvolle Erfahrung gemacht, was es bedeutet, nur deshalb gehasst zu werden, weil man »Deutscher« war.
Und Ihr habt doch selbst erlebt, wie dumm und ungerecht es ist, wenn die Bevölkerung pauschal eine Gruppe verurteilt und ablehnt. Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen bei jeder Sachbeschädigung, Schlägerei, Belästigung nachts im Park oder jedem Diebstahl immer zuerst der Verdacht auf die »Russen« bzw. die »Umsiedler« gelenkt wurde. Ich habe auch das abgelehnt und immer dafür geworben, dass man diese beleidigenden und verletzenden Vorurteile korrigiert.
Jetzt seid Ihr Gott sei dank gut integriert und ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und ich hoffe, Ihr seid in dieser Heimat hier angekommen. Warum aber schauen so viele russisches Fernsehen? Warum glaubt Ihr dem Diktator Putin mehr als unseren Politikern? Wer hat Euch hierher geholfen?
Wir sollten daher einfach menschlich bleiben . Human mit denen umgehen, die aus Todesgefahr oder Überlebenswillen zu uns fliehen. Ich finde die Flüchtlingspolitik derzeit auch nicht glücklich. Und ganz gewiss möchte ich keine Islamisierung unserer Kultur. Aber wir schützen diese nur, wenn wir selbst uns an die Werte unserer Kultur halten. Wenn wir das leben und praktizieren, was diese
unsere »christliche« Kultur ausmacht:
Respekt vor dem Fremden. Achtung vor der Menschenwürde aller - sie sind ebenso Geschöpfe Gottes wie du und ich. Humanität - Menschlichkeit und Toleranz und Barmherzigkeit sind Kennzeichen der christlich abendländischen Kultur. Hass macht aus Gesichtern wutverzerrte Masken. Auch wenn man Vieles kritisieren kann, ist es wichtig, dass wir das Kleid der Kultur und der Demokratie nicht ausziehen. Hass auf Fremde führt in die blinde Wut der Zerstörung und am Ende für uns alle ins Unglück. Ich verstehe auch die Angst, die sich breit macht - aber das Gegengewicht zur Angst ist Vertrauen.
Eine alte Geschichte erzählt: Ein alter Lehrer fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt? »Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann«: fragte einer seiner Schüler? »Nein«, sagte der Lehrer. »Ist es, wenn man einen Apfelbaum von einer Birke unterscheiden kann«, fragte ein anderer? »Nein«, sagte der Lehrer. »Aber, wann ist es dann«, fragten die Schüler? »Es ist dann, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und darin deine Schwester oder deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“ Ihr Quelle:
http://www.mengen-evangelisch.de/index.php?id=218855
